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		<title><![CDATA[Mein Blog]]></title>
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		<lastBuildDate>Sun, 30 Jun 2019 16:56:00 +0200</lastBuildDate>
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			<title><![CDATA[Gespräch mit Frau von Winkelmann]]></title>
			<author><![CDATA[S.V.]]></author>
			<category domain="https://www.tischler-veit.de/blog/index.php?category=Geschichten"><![CDATA[Geschichten]]></category>
			<category>imblog</category>
			<description><![CDATA[<div id="imBlogPost_3fv6a5dy"><div class="imTACenter"><span class="fs19">In der Handtasche meiner Frau liegt mein Hausschlüssel und ich stehe vor unserer Tür.</span></div><div class="imTACenter"><span class="fs19">Es wird noch mindestens 20 Minuten dauern - was tun?</span></div><div class="imTACenter"><br></div><div class="imTACenter"><span class="fs19">Der Frühlingsabend ist angenehm mild und auf den Bänken, die man vor Jahren aufgestellt hat saß ich noch nie.</span></div><div class="imTACenter"><span class="fs19">Als Kinder war das unsere "Anlage": eine Wiese, ein Gebüsch, der Rotdornbaum und der Brunnen.</span></div><div class="imTACenter"><span class="fs19">Bänke hätten uns damals beim Spielen gestört; wir brauchten Platz, wir waren etliche Kinder bei 1-2-3 ins faule Ei.</span></div><div class="imTACenter"><br></div><div class="imTACenter"><span class="fs19">Jetzt sind Kinder hier die Ausnahme. Sie steigen schnell, von der Musikschule kommend, bei Mama oder Papa mit Ihrer Geige ins Auto und schon sind sie weg.</span></div><div class="imTACenter"><span class="fs19">Wir wären erst einmal ein paar Runden um die Anlage mit dem Rad gefahren und dann... . Uns fiel immer was ein.</span></div><div class="imTACenter"><span class="fs19">Die Bank ist bequem, irgendwo bellt ein Hund,und plötzlich höre ich:" Na, Jungchen du kannst mich wohl nicht sehen."</span><img class="image-0" src="https://www.tischler-veit.de/images/IMG_1337.JPG"  title="" alt=""/></div><div class="imTACenter"><br></div><div class="imTACenter"><span class="fs19">Ich sah, außer irgendeinem Busch, tatsächlich nichts.Ich hörte also Stimmen- war der letzte Ouzo einer zuviel?</span></div><div class="imTACenter"><span class="fs19">Wieder: "Setzt dich doch auf die andere, die andere Bank." </span></div><div class="imTACenter"><span class="fs19">Es war eine Frauenstimme,etwas dunkel, etwas rauchig, ziemlich erotisch.</span></div><div class="imTACenter"><span class="fs19">"Diese Kulturbanausen haben diese blöden Busch genau so gesetzt, daß man <b>mich</b> nicht sieht. Der Begriff Sichtachse ist für diese Leute ein absolutes Fremdwort!"</span></div><div class="imTACenter"><span class="fs19">Die Frau vom Brunnen sprach mit mir!</span></div><div class="imTACenter"><span class="fs19">"Denn ihr Plan ist, mich wie Dornrösschen, in Vergessenheit zu bringen ! Doch ich bin nicht Dornrösschen. </span></div><div class="imTACenter"><span class="fs19">Mit einer Frau von Winkelmann sollte man sich nicht anlegen!"</span></div><div class="imTACenter"><br></div><div class="imTACenter"><span class="fs19">Ich wechselte die Bank. "Schau an, Jungchen da bist du ja.</span></div><div class="imTACenter"><span class="fs19">"Ja klar" murmelte ich. Im Prinzip kannten wir uns.</span></div><div class="imTACenter"><br></div><div class="imTACenter"><span class="fs19">Meine Gedanken erahnend sprach die steinerne Dame:" Als ihr vor 50 Jahren auf mir rumgeklettert seid war des wenigstens ein Abwechslung. </span></div><div class="imTACenter"><span class="fs19">Die damals den Ton angaben hatten es in vierzig Jahren nicht geschaftt meine Wasserleitung für meine Schale in Gang zu setzen. Doch da hatte ich euch, ringsrum wohnten Kinder und alle saßen irgendwann bei mir. Alle waren scharf nach meinen steineren Brüsten. Stimmst Jungchen, du auch?"</span></div><div class="imTACenter"><br></div><div class="imTACenter"><span class="fs19">Es stimmte und lächelnd sagte ich zu ihr: "Ja so war das. Aber einmal bin ich von Ihnen abgestürzt - Knie und Arme bluteten</span></div><div><div class="imTACenter"><span class="fs19">" Ja, Jungchen und Wasser zum kühlen hatte ich nicht! Kannst mich Marie-Luise nennen"</span><img class="image-3" src="https://www.tischler-veit.de/images/IMG_1338.JPG"  title="" alt=""/></div><div class="imTACenter"><br></div></div><div class="imTACenter"><span class="fs19">Oft war unser Treffpunkt am oder auf dem Brunnen. Hatte es länger geregnet stand Wasser im Becken und es fing mit der Zeit an zu stinken.</span></div><div class="imTACenter"><span class="fs19">Als ob sie Gedanken lesen konnte meinte sie:" Dann haben sie später Blumen ins Becken gepflanzt. Eine blanke Verzweiflungstat! Keine Wasserleitung, keine Pumpe, kein Wasser, aber Blumen. Weißst Du wie ich da die Luft anhalten musste"</span></div><div class="imTACenter"><span class="fs19">"Das mit den Blumen war doch so schlecht nicht" meinte ich. </span></div><div class="imTACenter"><span class="fs19">"Aber nicht bei einer von Winkelmann im Becken, mein Junge!"</span></div><div class="imTACenter"><span class="fs19">"Ja,klar sie haben recht Marie Luise." Was sollte ich sonst sagen.</span></div><div class="imTACenter"><br></div><div class="imTACenter"><span class="fs19">" Als sich das Blatt wendete hatte ich die Hoffnung das man mich irgendwie wieder erweckt"</span></div><div class="imTACenter"><br></div><div class="imTACenter"><span class="fs19">Um ehrlich zu sein ich hatte damals an alles mögliche gedacht , aber daran nicht.</span></div><div class="imTACenter"><span class="fs19">Plötzlich war unsere Anlage mitten im Sanierungsgebiet und eines Tages war der Brunnen hinter einer Art spanischen Wänden verschwunden.</span></div><div class="imTACenter"><span class="fs19">Irgendjemand strahlte den Dreck von Jahrzehnten von Marie Luise runter und sie erstrahlte in heller Schönheit, wahrscheinlich wie am ersten Tag.</span></div><div class="imTACenter"><br></div><div class="imTACenter"><span class="fs19">"Es waren Leute voller Enthusiasmus die mir endlich wieder Wasser in die Schüssel gaben. Sie bauten einen Behälter in die Erde mit Pumpe. Das Wasser fing an zu sprudeln. Und als besondere Krönung wurde ich bei Dunkelheit mit Licht angestrahlt. Ich hatte meine grosse Bühne wieder!"</span></div><div class="imTACenter"><br></div><div class="imTACenter"><span class="fs19">Es gab eine festliche stattstragende Einweihung und der Schützenverein schoß Salut. Und für mich hatte unser Brunnen, seit ich denken konnte,zum ersten Mal Wasser das sprudelte. Bei Dunkelheit war das schon etwas Besonderes. Unser Anlage war fast schon eine Sehenswürdigkeit.</span></div><div class="imTACenter"><br></div><div class="imTACenter"><span class="fs19">Ich merkte wieder wie Marie Luise mich musterte, oder konnte sie schon wieder meine Gedankengänge erahnen?</span></div><div class="imTACenter"><br></div><div class="imTACenter"><span class="fs19">"Ja mein Guter , wenn nur nicht dieser blöde Wind andauernd mein Wasser verwehte!"</span></div><div class="imTACenter"><br></div><div class="imTACenter"><span class="fs19">Ich kam nicht gleich drauf.</span></div><div class="imTACenter"><span class="fs19">" Na, mein Kleiner, kannst du dich nicht an diese echten Kinder erinnern? Die fuhren, fast wir ihr damals, barfuß und ohne diesen komische Kopfbedeckung mit dem Rad um die Anlage. Ab und an flog mal einer hin, doch auch mit blutigen Knie kann man weiterfahren. Genau wie ihr damals, weißt du nicht?"</span></div><div class="imTACenter"><br></div><div class="imTACenter"><span class="fs19">Ich wusste es, bei Morys um die Kurve und... das Vorderad rutschte weg. "Aber was hat das mit Ihrem Wasser zu tun?"</span></div><div class="imTACenter"><br></div><div class="imTACenter"><span class="fs19">"Ein ganze Menge, Jungchen! In das Haus ,was ihr immer Diakonat nennt, war eine Familie mit eben diesen Kindern, richtige Kinder mit laufenden Nasen und blauen Knien eingezogen. Und einem Vater dem ich sehr wichtig war."</span></div><div class="imTACenter"><br></div><div class="imTACenter"><span class="fs19">Bei mir dämmerte es. Der junge Mann, Sänger im MDR-Chor, legte immer mal einen Schlauch aus seiner Tür zum Brunnen. Er füllte Wasser auf.</span></div><div class="imTACenter"><span class="fs19">Was geschehen? Der Wind bließ Wasser weg vom Becken. </span></div><div class="imTACenter"><span class="fs19">"Und plötzlich war mein Vorrat alle! Er baute mir dann noch ein Blech an die Schüssel um dem Wasser eine Richtung zu geben jedoch es war nicht die Lösung, aber ich ließ ihn gewähren"</span></div><div class="imTACenter"><br></div><div class="imTACenter"><span class="fs19">Ich hatte ihn dann mal als Kunden. Mir erklärte er, daß irgendwann die Pumpe den Geist aufgab, ob nun trocken gelaufen oder der Frost sein Opfer gefunden hatte.</span></div><div class="imTACenter"><span class="fs19">Und Geld für eine neue Pumpe wäre keins da.</span></div><div class="imTACenter"><br></div><div class="imTACenter"><span class="fs19">Da riß mich Marie Luise aus den Gedanken: " Fassen wir einmal zusammen, mein junger Freund, ehrenamtlich hat mich nach der Wende ein dufte Truppe wieder mit Wasser versorgt. Obwohl sie sich die größte Mühe gaben war die Konstruktion nicht optimal und die Pumpe soll kaputt sein. Der schöne Scheinwerfer übrigens auch. Manchmal kommt es einfach ganz dicke. Aber, nun bedenke Jungchen, auf wessen Grund und Boden stehe ich den? Bei keinem von den fleißigen Bienchen im Vorgarten! Nein, auf städischen Boden, wenn ich mich täusche! Und eine von Winkelmann täuscht sich fast nie!!"</span></div><div class="imTACenter"><br></div><div class="imTACenter"><span class="fs19">Ich nickte und wollte gerade antworten aber Marie Luise sprudelte weiter. Spudelte?!</span></div><div class="imTACenter"><br></div><div class="imTACenter"><span class="fs19">" Und wer bitte sollte sich dann um mein Problem kümmern?"</span></div><div class="imTACenter"><span class="fs19">Jetzt war ihr Ton schon sehr bestimmt und trotzdem hörte es sich schon etwas abfällig an.</span></div><div class="imTACenter"><span class="fs19">" Was du ererbst von deinen Vätern, erwirb es um es zu besitzen. Weißt du, mein Junge, wer das gesagt hat!!"</span></div><div class="imTACenter"><br></div><div class="imTACenter"><span class="fs19">" Das ist von Goethe, meine Liebe" Ich wurde mutig - meine Liebe.</span></div><div><div class="imTACenter"><br></div><div class="fs19"><div class="imTACenter">"Und, junger Freund?"</div></div></div><div class="imTACenter"><br></div><div class="imTACenter"><span class="fs19">"Was man nicht nützt ist eine schwere Last. Nur was der Augenblick erschafft, das kann er nützen. Goethe Faust. Der Tragödie erster Teil"</span></div><div class="imTACenter"><br></div><div class="imTACenter"><span class="fs19">" Und warum kann wahrscheinlich mit diesem Goethschen Gedanken in eurem Haus der Verwaltung keiner was anfangen. Ich glaube ihr nennt es Rathaus, mein Kleiner. Sind dort nur Kulturbanausen? Es ist eine Tragödie!"</span></div><div class="imTACenter"><br></div><div class="imTACenter"><span class="fs19">Sollte ich hier wieder nicken? </span></div><div class="imTACenter"><span class="fs19">Doch Marie Luise von Winkelmann legte noch einmal nach: "Weißt du, dort wo du sitzt saßen schon viele andere. und ich glaube schon mancher Fachmann war dabei. Diese Gespräche habe ich gerne belauscht. Eine Wasserleitung legen, einen Brunnen bohren - da ist immer Wasser da. All das hab ich hier schon gehört. Und dann immer wieder: Aber das kostet Geld!</span></div><div class="imTACenter"><span class="fs19">Ja logisch, was sonst. Ich weiß, daß vor dem Haus der Verwaltung ein Brunnen mit zwei läppischen Steinkugeln steht. Der geht immer - kostet es was wolle! Aber Frau von Winkelmann lässt man auf dem Trockenem sitzen und am besten zuwachsen! Es sind doch Kulturbanausen! Und das allergrösste ist das man beim Stadtfest einem Doubel auf einem schnöden Lastwagen huldigt und Beifall klatscht. Du solltest dich drum kümmern, daß man Plakate mit einem Spendenaufruf an diese Kiste hängt. Das würde Sinn machen!"</span></div><div class="imTACenter"><br></div><div class="imTACenter"><span class="fs19">Jetzt kam ich in die Zwickmühle. Ich murmelte: "Das wäre schon eine Idee"</span></div><div class="imTACenter"><br></div><div class="imTACenter"><span class="fs19">"Ja, ja alles nur Gerede" sagt sie und klang erwas müde. "Ich glaub , deine Frau kommt."</span></div><div class="imTACenter"><span class="fs19">Erleichtert meinte ich:" Wir reden irgendwann weiter."</span></div><div class="imTACenter"><br></div><div class="imTACenter"><span class="fs19">"Ja . geh schon"</span><img class="image-1" src="https://www.tischler-veit.de/images/IMG_13399.JPG"  title="" alt=""/></div><div class="imTACenter"><br></div><div class="imTACenter"><span class="fs19">Ich wusste, daß ich sie traurig zurücklassen musste. </span></div><div class="imTACenter"><span class="fs19">Aber wenn ich ihr gesagt hätte, daß ich erst kürzlich über zweitausend Euro an die Stadt dafür bezahlt habe weil mein Grundstück durch die Sanierung hier, und dazu zähle ich die Neubelebung von Marie Luises Brunnen mit, angeblich wertvoller geworden ist, weiß ich wie ihre Reaktion gewesen wäre.</span></div><div class="imTACenter"><span class="fs19">Denn mit diesem Geld hätte man Frau von Winkelmann erneut Leben einhauchen können.</span></div><div class="imTACenter"><span class="fs19">Demnächst werde ich ihr wohl das beichten müssen. Aber neues Ungemach droht ihr schon wieder. Ich glaube die Kulturbanausen setzen ihr schon wieder zu; mit einem Käfig in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft. </span></div><div class="imTACenter"><span class="fs19">Hier in der denkmalgeschützten Altstadt. </span></div><div class="imTACenter"><br></div><div class="imTACenter"><span class="fs19">Und wie war das mit dem Goethezitat...?</span></div><div class="imTACenter"><br></div><div class="imTACenter"><br></div><div class="imTACenter"><br></div></div>]]></description>
			<pubDate>Sun, 30 Jun 2019 14:56:00 GMT</pubDate>
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